Jeder Dritte will in die Private
Jeder Dritte will in die Private
Privat versichert oder gesetzlich, dieser Tage dürfte den Versicherten beider Versicherungsarten nur wieder allzu deutlich werden, dass beides so seine Licht- und Schattenseiten hat. So kündigen inzwischen immer mehr gesetzliche Krankenkassen die baldige Erhebung von Zusatzbeiträgen an, obwohl sie erst kürzlich weitere Finanzhilfen vom Staat zugesagt bekommen hatten. Das ärgert viele Versicherte und soll teilweise einen echten Run auf die noch verbleibenden Kassen ohne Zusatzbeitrag auslösen.
Auf der anderen Seite dürfen sich die gesetzlich Versicherten, so man den Worten des Vorsitzenden der privaten Krankenversicherung Reinhold Schulte glauben darf, auch wieder im Vorteil gegenüber den privat Versicherten fühlen. Erst vor wenigen Tagen hatte Bundesgesundheitsminister Rösler seine Eckpunkte zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes vorgestellt, die unter anderem neue Grundlagen für die Preisverhandlungen mit den Pharmaunternehmen schaffen sollen.
Die Maßnahmen, die nach Möglichkeit zum 1.1.2011 in Kraft treten sollen, betreffen allerdings nicht beide Versicherungssysteme, sondern nur die gesetzlichen Krankenkassen. Für den PKV-Vorsitzenden Schulte ein klarer Ansatzpunkt für die Kritisierung der Pläne des Bundesgesundheitsministers. „Wenn Minister Rösler 'Anwalt der Versicherten' sein will, darf er die fast 9 Millionen Privatversicherten nicht einfach außen vor lassen,“ sagt er.
Ganz gleich, womit sich in der nächsten Zeit noch beschäftigt werden wird und wie der Streit um die Medikamentenpreise ausgehen wird, die private Krankenversicherung erfreut sich nach den Ergebnissen einer HanseMerkur Studie noch immer einer großen Attraktivität, auch für gesetzlich Versicherte mit Wechselwillen. Demnach soll jeder Dritte der von der Forsa repräsentativ befragten 1002 Teilnehmer zwischen 18 und 65 Jahren gern in die Private gehen wollen, unter jungen Leuten zwischen 18 und 25 Jahren sollen es sogar 45 Prozent sein.
Dabei soll laut Studie der Wechsel zu einem privaten Versicherer durch das neue Bürgerentlastungsgesetz, das die Krankenversicherungsbeiträge zum großen Teil steuerlich anrechenbar macht, noch attraktiver geworden sein. Doch Attraktivität allein reicht nicht aus für einen Wechsel in die PKV, Angestellte müssen dafür in den letzten drei Jahren über der monatlichen Einkommensgrenze von 4162,50 Euro gelegen haben, erklärt die HanseMerkur. Das wird sicher nicht auf alle Interessenten zutreffen. In diesem Fall empfiehlt der Versicherer, einzelne Gesundheitsbereiche durch eine private Krankenzusatzversicherung abzusichern. Denn „ob privat oder gesetzlich versichert: Der Steuervorteil eröffnet finanzielle Freiräume, um den eigenen Versicherungsschutz zu verbessern“, sagt der Vorstand der HanseMekur.
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